Reparatur Kreuztisch M20 English
Bastelanleitung
Geforderte Toleranzen etwa 0.1 mm; zum Teil etwas besser.
Seitwärts Bewegung des Objektträgers
Ersatzteile gibt es seit langem nicht mehr.
Der Mangel ist, dass die Kunststoff-Zähne nach Jahrzehnten spröde werden und brechen.
Die Materialpaarung von Messing mit einem Thermoplasten ist ohnehin erklärungsbedürftig. Gelegentlich
kommt es dann soweit, dass sich die abgebrochenen Zähnchen so verklemmen, dass der Objekträger nicht mehr
seitwärts bewegt werden kann. Zudem verengt sich die Lücke zwischen Rad und Block so, dass auch
Viertel-Zähne klemmen. Schmieren hilft nichts, es muss ein Ersatz her.
Ein anderer Grund für das Brechen kann eine falsche Annahme des Benutzers sein: einige Achsen
des Mikroskops können in der Gängigkeit reguliert werden, indem man die Achsen anzieht oder lockert.
Bei dieser "Achse" kann dies nicht gehen, weil es sich um ein Doppel-Getriebe handelt.
Versucht man dies trotzdem, so brechen Zähne ab.
Vorbereitung:
Ersatzteile beschaffen: z.B. Bestellnummer MG 717N, 4 Stück, bei www.nozag.ch.
Die Messingzahnräder (Modul 0.7, 17 Zähne) von Nozag haben eine Länge von 10 mm, wovon die
Zähne 4 mm breit sind.
Kreuztisch abschrauben. Alle sichtbaren Schrauben entfernen. Nun müssen noch 3 Bolzen
entfernt werden. Zwei davon sichern die Kunststoffrädchen und einer den fixen Handtrieb
der sagittalen Bewegung.
In Ermangelung eines Bolzendrückers helfen 1 mm dicke Nägel und ein Hämmerchen. Wenn die
Kunststoffrädchen dabei noch ganz kaputt gehen macht's nichts, von diesen Teilen wird ohnehin
nur die Stahl-Lagerhülse gebraucht. Aber trotzdem ist Vorsicht geboten, das Lager im
Leichtmetallträger wird noch gebraucht.
Die Handtriebe für die laterale Bewegung (mit den Messingzahnrädern) sind auf der
jeweiligen Achse mit einer Klemm-Mutter angeschraubt. Erst Klemmschräubchen lösen und dann
drehen. Die Unterlagsringe (Nylon?) werden später wieder gebraucht (2 mal (2 gross und 1 klein)).
Veränderung Spindelantrieb:
Plastik-Zahnrad entfernen (einspannen in Bohrmaschine und mit Kombizange abraspeln, geht rasch,
da das Zahrad dabei schmilzt). Die verbleibende Stahlhülse auf 7 mm Durchmesser abdrehen,
schleifen.und polieren.
Wenn die Schrägverzahnung durch Geradverzahnung ersetzt wird, entfällt die
Kompensation des Drucks der schrägen Zähne gegen die Schräge der Spindel.
Solche Kräfte spielen hauptsächlich bei schnellen Drehzahlen eine Rolle. In unserem Fall handelt
es sich aber um langsame Bewegungen im Bereich zwischen
Haft- und Gleitreibung, die noch durch das Schmiermittel beeinflusst werden. Trotzdem steigt
tendenziell die Belastung der Spitzenlager.
Für das getriebene Rad muss die Achsbohrung auf 7 mm erweitert werden. Dann die Nabe um
etwa 2 mm kürzen, um einen guten Eingriff der beiden Zahnräder zu haben.
Nun wird das Bolzenloch so markiert, dass zwischen dem Messingrad und dem Aluminiumträger etwa
0.5 mm Luft ist.
Bohren des Bolzenlochs (1.5mm) erst nur auf einer Seite; dann auf das Lager aufschieben
und das Gegenloch als Bohrerführung verwenden.
Die Leitspindel für die Lateral-Bewegung wurde durch Wild von Hand nachbearbeitet -
erkennbar durch die Hand-Nummerierung der Teile. Hier ist meist etwas Schmutz eingeklemmt.
Waschen mit Petrol hilft. Wieder gefettet wird erst nach dem Zusammensetzen.
An den Enden der Leitspindel sind Spitzen, welche geschont werden müssen, denn sie dienen als Spitzenlager.
Antriebsachse
Material: Messing, verchromt. Das Original-Rad hat 33 Zähne und eine Schrägungswinkel von
15° und ein Modul von zirka 0.3486.
(Annahme: Norm-Evolventenzahnung)
Veränderung:
Mit Laubsäge Zahnrad entfernen und mit Feile und Schleifpapier richten,
bis die Schnittfläche senkrecht zur Drehachse steht.
Die Achsbohrung muss für das treibende Rad auf 8 mm erweitert werden.
Dann wird es soweit gekürzt, dass die alte Gesamtlänge von 26.8 mm wieder erreicht wird.
Die Kürzung beträgt beim Nozag Rad etwa 3 Millimeter.
Bei der die Länge ist keine grosse Genauigkeit gefordert, da mit der Klemmmutter justiert werden kann. Aber diese
Schnittfläche muss senkrecht zur Achse sein.
Die Klemmmutter hat beim Spannschräubchen einen dicken und einen dünnen Teil. Der dünne Teil hat kein
Gewinde und liegt nach aussen. Mit der Klemmmutter wird die Gängigkeit dieser "Achse" eingestellt,
siehe Einleitung.
Zusammengefügt wird mit Elektroniklot und einem Industrieföhn. Das Lot hat etwa 0.1
Millimeter Dicke.
Die Schwierigkeit hier ist das exakte Fügen. Auffädeln beider Teile auf einen trockenen
Schilfhalm von 8 mm Durchmesser hilft. Nach dem Abkühlen sauber putzen und auf der betreffenden
Achse einschleifen, bis sich das Triebrad gut drehen lässt.
Der Schilfhalm wurde aus folgenden Günden gewählt:
a) Das Material stand als Rest vom Basteln eines Bienenhotels ohnehin zur Verfügung. Ich konnte mit
der Schublehre auswählen.
b) es wird ein Material gebraucht, das der Hitze des schmelzenden Weichlotes genügend lang
Widerstand leistet,
etwas federt, genügend gerade ist, eine schlechte thermische Leitfähigkeit aufweist und sich
anschliessend
leicht entfernen lässt.
Eine Alternative wäre ein hohles Papierröllchen, das auf den richtigen Durchmesser gebracht wird.
Keine gute Alternative sind Aluminiumrohre oder frische Schilfhalme (zuviel Wärmeabfuhr)..
Die Festigkeit der Lötstelle genügt auch hohen Ansprüchen. Allerdings darf auch dann die
Gewindestange (Leitspindel) nicht klemmen, weil sie sonst beschädigt wird.
Befestigungsbolzen
Die Befestigungsbolzen sind weich. Sie verformen sich beim Entfernen so sehr, dass sie kaum mehr brauchbar
sind. Daher wurden sie durch Nägel (Stahlstifte) mit 1.6 mm Durchmesser ersetzt. Mit Schleifpapier
etwas konisch machen, die Spitze
abschleifen und nach dem Einschlagen, abzwicken und glatt feilen. Die Spitze muss weg, damit die
Bolzen wieder entfernt werden können.
Dazu wird die Bohrmaschine als Behelfsdrehbank gebraucht: Nagel einspannen und mit
Schlüsselfeile und Schleifpapier präparieren. Der Bolzen muss nicht wie das Original poliert
werden, - 150-er Papier reicht. Nägel haben zudem den Vorteil, dass sie bequemer
platziert werden können. Wenn am Schluss noch ein Stückchen hochragt, ist klar, welches
die Eintreibrichtung war.
Verändertes Getriebe nach obiger Korrektur
Mass-Skizze des neuen Getriebes
Die grau getönte Fläche bezeichnet das Einstellspiel.
Die Lager der konzentrischen Doppel-Achse sind mit je zwei Schrauben
mit Federunterlagsringen befestigt. Die Bohrungen sind mit Absicht etwas grösser als unbedingt nötig,
damit sowohl der Achsabstand der neuen Zahnräder, als auch der Eingriff in die Zahnstange
zur Sagittal-Bewegung reguliert werden können. Diese Justierung ist erst nach dem Zusammenbau vorzunehmen.
Die Lagerbleche (je 4 Schräubchen) für die Lateral-Bewegung werden nachher angeschraubt.
Das Aufbohren der Löcher wird am einfachsten mit einer Drehbank gemacht.
Von Hand gebohrt, können die Räder eiern. Daher stufenweise vorgehen, häufig messen, Fräser benutzen und
viel Geduld.
Zudem sind Bohrmaschinen auf Holzbearbeitung ausgelegt. Messing braucht langsame Drehzahlen und einen
veränderten Schnittwinkel (zirka 90°, d.h schaben statt Span abhebend).
Weitere Zahnräder, die in Frage kommen sind (alle Messing, ≥ 4 mm breite Zähne und Gesamtlänge ≥8mm)
Modul 1 kommt wegen zu kleinem Fussradius nicht in Frage, siehe Tabelle
Modul 0.5 24 oder 25 Zähne
Modul 0.4: 30 oder 31 Zähne
Modul 0.3: 39, 40 oder 41 Zähne
Benötigtes Werkzeug
Ausser einer ersehnten Drehbank, ist alles andere in einem Hobbykeller vorhanden:
Schraubstock mit weicher Zulage, Laubsäge, Schlüsselfeilen, Feile, Nägel, Hammer, Bohrer, Kombizange,
Schleifpapier, Lötkolben und Weichlot. Schraubendreher (Uhrmachersatz), Bohr- und Schleifmaschine.
Auf den Gebrauch einer Schublehre kann notfalls verzichtet werden, die Schäfte der Bohrer 7 und 8 mm genügen
als Passmass.
Bemerkungen
Das Einfachste wäre gewesen, das Plastikrädchen durch ein entsprechendes Messing-Zahnrädchen zu ersetzen.
Diese sind im Handel so wenig erhältlich, wie die Fräser, die zur Herstellung gebraucht würden.
Messing wurde gewählt, weil es sich mit Weichlot sehr gut löten lässt.
Der Kopfkreis von Zahnrädern sollte nicht nachträglich verkleinert werden, damit würde der Eingriff
verschlechtert.
Das neue Getriebe hat zwar etwas mehr Schlupf, was aber durch die Mechanik der Leitspindel aufgefangen wird.
Die seitliche Lagerung (Spitzenlager) wurde nicht verändert, was heisst, dass die ursprüngliche
Toleranz erreicht ist. Die volle Funktionsfähigkeit ist nun für Jahrzehnte erhalten.
Wenn das neue Getriebe nach Jahren trotzdem klemmen sollte, putzen, waschen und neu schmieren.
Mögliche Messing-Ersatz-Zahnräder
| |
|
|
|
|
|
|
|
Ersatz Nozag |
Original Wild |
|
Falsch |
|
| Module |
0.3 |
0.3 |
0.3 |
0.4 |
0.4 |
0.5 |
0.5 |
0.7 |
.3486 |
0.8 |
1 |
Modul |
|
| Cogs |
39 |
40 |
41 |
30 |
31 |
24 |
25 |
17 |
33 |
15 |
11 |
Zähne |
|
| dividing radius |
5.85 |
6 |
6.15 |
6 |
6.2 |
6 |
6.25 |
5.95 |
5.95 |
6 |
5.5 |
Teilkreis Radius |
mm |
| head radius |
6.15 |
6.3 |
6.45 |
6.4 |
6.6 |
6.5 |
6.75 |
6.65 |
6.32 |
6.8 |
6.5 |
Kopfkreis Radius |
mm |
| foot radius |
5.50 |
5.65 |
5.80 |
5.53 |
5.73 |
5.42 |
5.67 |
5.13 |
5.53 |
5.07 |
4.33 |
Fusskreis Radius |
mm |
| thickness cog |
0.459 |
0.459 |
0.459 |
0.613 |
0.613 |
0.766 |
0.766 |
1.072 |
.553 |
1.225 |
1.532 |
Zahndicke |
mm |
| between cogs |
0.483 |
0.483 |
0.483 |
0.644 |
0.644 |
0.805 |
0.805 |
1.127 |
.581 |
1.288 |
1.610 |
Zahnlücke |
mm |
| cog height |
0.650 |
0.650 |
0.650 |
0.866 |
0.866 |
1.083 |
1.083 |
1.516 |
.782 |
1.733 |
2.166 |
Zahnhöhe |
mm |
| helix angle° |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
0 |
15 |
0 |
0 |
Schrägungswinkel° |
° |
Anforderungen:
Achsdistanz ≥11.7 und ≤12.61 mm (Teilungs-Durchmesser) und Kopfradius ≤6.93 mm
und Fussradius > 4.5 mm, besser ≥ 5mm.
Zudem müssen die Zähne ≥4 mm breit und das Rad (inklusive Nabe) ≥8 mm lang sein.
Die Nabe muss ≥ 9 , besser 10.4 mm Durchmesser haben, siehe auch Fusskreis (wegen Lötstelle).
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Die eigentliche Vorarbeit bestand darin, erst den Hersteller, das heisst den Nachfolger zu fragen um
festzustellen, dass die Vorräte an Ersatzteilen seit Jahren erschöpft sind und damit Eigeninitiative gefordert ist.
Ein erster zaghafter Versuch mit Aufdoppelung der Plastikräder und nachschneiden der Zähne mit
feinsten Messerchen unter der Lupe scheiterte kläglich. Die neuen Zähne bröselten noch besser als die alten.
Leider kann vom bestehenden Messing-Zahnrad auch keine Silikon-Gussform für ein Ersatz-Kunststoffrad abgenommen werden.
Sie müsste gespiegelt werden, da zu einer rechtsschrägen Zahnung eine linksschräge Zahnung gehört.
Der Kreuztisch wurde mit Schublehre und Mikrometer vermessen (Genauigkeit etwa 0.01 mm). Dann wurden
Werk-Zeichnungen gemacht und darin die Spiele vermessen. Mit den gewonnenen Massen wurden die Zahnradberechnungen
(für mich nichts Neues, siehe
Windengetriebe) und die Liste
der möglichen Modul/Zahnzahl-kombinationen gemacht.
Zudem wurde die Festigkeitsberechnung der Lötstelle gemacht, um zu wissen, ob das halten kann. Es tut.
Schliesslich wurden mit der Liste Kataloge durchgesehen, ob etwas Brauchbares erhältlich sei. Die gibt's, aber
leider teuer, weil es sich nicht um die gängigen Masse handelt.